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wegbeschreibung

Tieftrance

Um die Tieftrance zu beschreiben muss erst einmal geklärt werden, was mit Tieftrance überhaupt gemeint ist.

Ist damit ein tiefer hypnotischer Entspannungszustand gemeint, bei dem sich das Bewusstsein abschaltet und der Körper vollkommen entspannt ist oder ist es ein Zustand, in dem der Klient so dissoziiert ist, dass er einen Besen für eine Gitarre hält (in diesem Fall aber eine ganz normale Körperanspannung beibehält)?

Oder ist damit ein Zustand besonders guter Suggestibilität gemeint, in dem das Unterbewusstsein die Worte des Hypnotiseurs vorbehaltlos aufnimmt?

Die tiefe Entspannungstrance, bei der der Klient so sehr entspannt ist, dass er mit der Zeit in einen schlafartigen Zustand übergeht ist das, was sich die meisten Menschen unter der Tieftrance vorstellen. Dieser Zustand ist von vielen ersehnt, weil sie der Meinung sind, man könne darin Suggestionen am Wachbewusstsein "vorbeiflüstern" und damit auch störrischsten Menschen mit kritischster Haltung gegenüber der Anwendung eine Wirkung förmlich "aufzwingen".

Auch Klienten glauben oft, dass dieser Zustand besondere Vorteile in sich birgt. Sätze wie "Bringen Sie mich richtig schön weg, damit mein Unterbewusstsein die Hypnose auch annimmt und meine blöden Gedanken nicht schon wieder einen Riegel vorschieben" sind an der Tagesordnung.

Fakt ist aber, dass dieser bewusstlose Zustand gar nicht unbedingt so sonderlich wirksam ist, wenn es um die Eingabe konkreter Suggestionen geht. Er ist zwar sehr entspannend und deshalb für viele körperliche Anwendungen wie bspw. die Behandlung von Schlafstörungen, chronischen Schmerzen oder Verspannungen geeignet, für die Psychotherapie oder ein Coaching im Rahmen der Hypnosetherapie ist er allerdings häufig weniger geeignet, weil einige wichtige Gehirnzentren, die für die Verarbeitung psychologischer Prozesse notwendig sind schon auf "Standby" geschaltet sind und die Wirksamkeit oft nicht viel intensiver ist als gäbe man einem Schlafenden während einer Tiefschlafphase die Suggestionen (auch wenn immer wieder gern geschrieben wird, man könne Menschen im Schlaf sehr gut hypnotisieren, ist dies doch ein eher fragwürdiges Unterfangen).

Das Unterbewusstsein nimmt sicher auch in einem tiefen, bewusstlosen Zustand einiges von den Suggestionen auf, aber letzten Endes hat das zumeist nicht die Wirkung, die man sich von der Hypnose erwartet. Diese Wirkung ist eher in einem mittleren Trancezustand zu erzielen, in dem das Bewusstsein noch teilweise aktiv ist. So bekommen Bewusstsein UND Unterbewusstsein die Suggestionen mit und ihre Wirkung kann sich erfahrungsgemäß deutlich besser im Inneren verbreiten - selbst wenn noch Gedanken aktiv sind.

Außerdem wird der Tieftrance-Zustand der Entspannungstrance von vielen Klienten auch als Schlaf empfunden (was er zwar definitiv nicht ist, aber die Klienten denken dann nur "Eben war ich weg, jetzt bin ich wieder da, also hab ich wahrscheinlich geschlafen"). Im Anschluss an die Sitzung heißt es dann oft "Ich war ja gar nicht in Hypnose, ich bin irgendwann einfach eingeschlafen".

Lustig aber wahr: Viele Klienten erhoffen sich in der Hypnose eine Art Bewusstlosigkeit, tritt diese aber ein, sind sie auch nicht zufrieden, weil sie dann glauben, sie hätten geschlafen. Man kann es ihnen aber auch nicht verübeln, denn das Gefühl und die Entspannung in der tiefen Entspannungstrance kommen dem Schlaf manchmal schon sehr nah.

Der Tieftrance-Zustand, den man aus der Show-Hypnose kennt verhält sich da vollkommen anders. In ihm hat der Klient noch ein ganz normales Körpergefühl und zeigt auch keine nennenswerten Zeichen von Entspannung. Er gleitet hingegen in eine Art andere Realität ab. Gegebene Suggestionen werden für ihn zur subjektiven Realität. Er sieht den Besen tatsächlich als Gitarre und hört sich auch darauf spielen. Das Bewusstsein ist dabei so eingeengt wie bei einem Alkoholrausch. Die Konzentration liegt ganz auf den Suggestionen und ihren Wirkungen. Der Klient fühlt sich wohl und geht ganz in dem Thema auf. Allerdings ist diese Art der Tieftrance therapeutisch gesehen nicht sehr wertvoll, da ihre Wirkungen nach der Auflösung der Hypnose fast vollständig verfliegen. Es ist schwierig, eine therapeutische Folgewirkung über diese Art der Hypnose hinaus in den Alltag zu transportieren. Deshalb wird diese Trance, die auch als "Somnambulismus" bezeichnet wird vor allem zu Show- und Demonstrationszwecken und für experimentelle Anwendungen genutzt. In therapeutischen Praxen kommt sie selten bis nie vor, was auch damit zusammenhängt, dass sie teilweise etwas aufwändig in der Einleitung ist und die Erzeugung des Somnambulismus den zeitlichen Rahmen einer Behandlung sprengen könnte.

Die eigentliche therapeutische Tieftrance wirkt am dezentesten von den hier beschriebenen Zuständen, hat aber den höchsten dauerhaften Wirkungsgrad. In Ihr fühlt sich der Klient entspannt, vielleicht etwas benebelt ist aber geistig noch weitestgehend anwesend. Was diese Trance vor allem ausmacht ist, dass sich in ihr das Unterbewusstsein am besten beeinflussen lässt und die Suggestionen am intensivsten wirken.

Der Klient ist anschließend oft von der Wirkung überrascht, weil er doch noch die ganze Zeit "da war". Der Grund, warum die Intensivste Wirkung der Hypnose oft in einem Zustand mit noch vorhandenem Bewusstsein erzielt werden kann, liegt vermutlich darin, dass die kognitiven Regionen, in denen eine Veränderung geschehen soll oft auch eng mit dem Bewusstsein verknüpft sind. Ist die Trance "zu tief" im Sinne von Entspannung, kann es sein, dass sich mit dem Bewusstsein auch diejenigen Regionen abschalten, in denen die Wirkung geschehen soll.